Ist das ein Traum?

 Bewertung: 🌟🌟🌟🌟


"Als wären wir ich." von Yvonne Orrego
Taschenbuch Ausgabe - 29. September 2020
Herausgeber: SadWolf Verlag
Seiten: 396
Preis: 14,99€

Inhalt: Wie unterscheidet man Realität und Fiktion, wenn beides gleichsam real und fiktiv erscheint? Das Leben der Studentin Anna gerät aus den Fugen, als sie auf einem Dachboden ein Buch findet, welches ihr gewidmet ist. Die Hauptfigur hat denselben Namen wie sie und auch ihre beste Freundin Lotte taucht in dem Buch auf. Je mehr sie darin liest, umso mehr scheint es ihr als würde sie Teil der Geschichte des Buches, bis beide Welten sich vermischen. Doch das ist nicht das Schlimmste: Als sie aufhören will zu lesen, merkt sie, dass sie in der Geschichte, die sie liest, gefangen ist. Um aus den verstrickten Realitäten zu entkommen, muss Anna das Geheimnis des Buches enträtseln. Pressetext: Was ist eigentlich Realität? Woher wissen wir, was real ist und was nicht? Und welchen Einfluss haben unsere eigenen Erfahrungen auf die Realität? Diese Fragen bilden den Kern der Geschichte »Als wären wir ich«. Fragen, mit denen sich Anna in verschiedenen Versionen ihrer Selbst immer wieder neu auseinandersetzen muss. Dabei wird sie nicht nur mit den Grenzen ihres eigenen Vorstellungsvermögens konfrontiert, sondern auch mit dem Trauma ihrer Vergangenheit. Die Autorin nimmt die Leser mit auf eine abenteuerliche Reise, indem sie phantastische Elemente mit Realismus mischt und so die Grenzen zwischen beidem – Realität und Fiktion – verschwimmen lässt. Dabei stellt sich am Ende nicht nur für Anna, sondern auch dem Leser die Frage: Was ist real und was nicht?

Meine Meinung: "Als wären wir ich" ist ein Roman, der nicht einfach zu verstehen ist und dem Genre Noir Contemporary zugeordnet wird. So wie jedes Buch in diesem Verlag, werden hier ernste Themen behandelt, die von der Gesellschaft gerne als "Tabuthemen" deklariert werden. Die Handlung ist ziemlich komplex, denn ich war sehr oft verwirrt, was einige Szenen betrifft. Anna führt kein einfaches Leben, ganz im Gegenteil. Sie leidet an Ängsten, die sich von ihrer Kindheit bis zu ihrem erwachsenen Alter manifestiert haben. Sagen wir es mal so, ich wusste auch nicht so recht, was in diesen Buch real und was fiktiv ist.

Wir lernen Anna als schüchterne, zurückgezogene, neugierige junge Frau kennen, die mit ihrer besten Freundin Lotte in einer WG in Hamburg lebt. Die beiden kennen sich seit ihrer Kindheit und sind seitdem beste Freundinnen. Ich mochte Lotte total gerne, denn sie versucht Anna immer mal wieder aus ihrem Loch herauszuholen und abzulenken. Sie sorgt dafür, dass Anna unter Menschen kommt und auch mal ein wenig Spaß hat.

Anna findet auf dem Dachboden ihres Elternhauses ein altes Buch, welches sie sofort in dessen Bann zieht. Sie liest dieses Buch nicht nur, sondern befindet sich mitten im Geschehen und nimmt dort den Platz der Protagonistin ein. Es finden mehrere Wechsel zwischen der Handlung des Buches und des eigentlichen Geschehen statt, die wie ich oben schon sagte, für große Verwirrung sorgen. Ich wusste irgendwann selber nicht mehr, was jetzt die Haupthandlung ist. Obwohl es eigentlich total offensichtlich ist. Einfach genial!

Der Schreibstil ist angenehm und unglaublich gut! Eben wegen dieser großen Verwirrung. Man steckt als Leser mitten drin und zweifelt an seinem eigenen Verstand. Die ganze Handlung geht tief in die Psyche des Menschen. Erzählt wird die Handlung aus der Sicht von Anna, aber aus verschiedenen Perspektiven. Wir erfahren einiges aus ihrer Vergangenheit und den Grund, wieso sie mit ihren Ängsten zu kämpfen hat.

Dies geschieht auf einer sehr emotionalen Ebene, die realistisch dargestellt wird. Es wäre noch dazu sehr schön gewesen, wenn es mehr Informationen zu den Nebencharakteren geben würde. Oder ein wenig mehr Interaktion mit Anna unter diesen Umständen.

Für den Leser wird deutlich gemacht, was traumatische Erlebnisse für Auswirkungen haben können und zwar ein Leben lang. Diese sind nicht einfach zu verdauen und schränken das Leben des Opfers, in diesem Falle Anna erheblich ein. Ich kann mir nicht im entferntesten vorstellen, wie hart es sein muss, mit ihrer Krankheit zu leben.

Die Autorin befasst sich mit Tabuthemen und bringt diese für den Leser verständlich rüber. Ich habe eine ganz andere Vorstellung von etwas bekommen, was mir nicht ganz so bekannt war. Man muss sich als Leser darauf einlassen können, denn es ist nicht einfach, die menschliche Psyche zu verstehen und gewisse Situationen nachzuvollziehen.

Fazit: Ich mag den SadWolf Verlag generell total gerne, eben weil hier auf die Seele des Menschen eingegangen wird. "Als wären wir ich" kann ich euch wirklich empfehlen! Ich mochte beide Seiten sehr gerne. Die Realität, sowie die Fiktion der Handlung. Beides ineinander verwoben ergeben sie die perfekte Mischung eines ernsten Romans. Anna ist so viel stärker als ihr eigentlich bewusst ist. Ich hatte echt Mitleid mit ihr und mir wurde bewusst, wie gut es mir im Gegensatz zu ihr eigentlich geht. Wenn ihr hinter die Fassade eines seelisch zerstörten Menschen blicken wollt, dann lest euch unbedingt dieses Buch durch!

Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares!

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