Wenn du von Dunkelheit umgeben bist ...

 Bewertung: 🌟🌟🌟🌟🌟


"Eineinhalb." von Anna Lane
Taschenbuch Ausgabe - 28. November 2020
Herausgeber: SadWolf Verlag
Seiten: 348
Preis: 12,99€

Inhalt: Eineinhalb Mal. So oft hat Mae versucht, sich nach dem Tod ihres Freundes das Leben zu nehmen. Sie hat den Kampf gegen ihre Schuldgefühle längst aufgegeben und landet in der Greenlake Therapieanstalt. Obwohl sich der junge Pfleger Sam alle Mühe gibt, Mae zurück ins Leben zu holen, bleibt sie verschlossen. Doch er ist nicht der Einzige, der ihren Alltag ins Wanken bringt. Derek, der Neuzugang, fordert Mae heraus und überredet sie dazu, ihre Medikamente abzusetzen und sich ihrer Traurigkeit zu stellen. Wem soll sie vertrauen? Sam oder Derek? Zerstört der Blick in ihr Herz sie endgültig oder gibt sie dem Leben – und der Liebe – eine zweite Chance? Pressetext: Menschsein heißt: lieben, atmen und auch leiden. Manche Menschen leben in den Tag hinein, während andere von ihrer Vergangenheit verfolgt werden. Die Erinnerungen begleiten sie wie ein Schatten, der die finsteren Zeiten noch düsterer erscheinen lässt. Mae ist eine dieser Personen, die den Entscheidungen von damals nicht entkommt. Schuld begleitet jeden ihrer Atemzüge. Aber wo Schatten ist, ist auch Licht. Liebe und Leid sind sich nicht fern. Und plötzlich ist da jemand, der Mae Hoffnung gibt: Sam zeigt ihr den Wert des Lebens. Die Autorin beschreibt, wie vielseitig Liebe sein kann. Zart und leuchtend wie die Blüten einer Mohnblume, die selbst der Nacht trotzen. Ebenso kalt und unbarmherzig wie das Ertrinken. Eineinhalb trägt in jedem Satz Poesie mit sich, erzählt von Tod und Vergebung, Schmerz und Heilung. Davon, wie man wieder zu sich selbst findet. Und wie man der Liebe eine zweite Chance gibt.

[ ... ] "Aᥙᥴh ᥕιᥱdᥱr ᥱιᥒᥱr, dᥱr voᥒ sᥱιᥒᥱᥒ Eᥣtᥱrᥒ ᥲbgᥱsᥴhobᥱᥒ ᥕordᥱᥒ ιst, ᥕᥱιᥣ ᥱr ιhᥒᥱᥒ ᥒιᥴht ιᥒs Wᥱᥣtbιᥣd gᥱρᥲsst hᥲt. Wᥲᥒᥒ ᥣᥱrᥒᥱᥒ dιᥱ Lᥱᥙtᥱ ᥱᥒdᥣιᥴh, dᥲss ρsყᥴhιsᥴhᥱ Krᥲᥒkhᥱιtᥱᥒ gᥱᥒᥲᥙso ᥒormᥲᥣ sιᥒd ᥕιᥱ ᥱιᥒᥱ Grιρρᥱ ᥙᥒd ᥒιᥴhts, ᥕofᥙ̈r mᥲᥒ sιᥴh sᥴhᥲ̈mᥱᥒ mᥙss?" - Stᥱvᥱᥒ, Eιᥒᥱιᥒhᥲᥣb 🖤

Meine Meinung: Dieses Zitat lässt mich auf einen Schlag emotional werden. Steven hat sich damit erstrecht einen Platz in meinem Herzen verdient. Er ist generell sehr weise und ein guter Freund von Sam. Seine Worte regen zum Nachdenken an und zeigen, dass nicht nur die Welt in dem Roman "Eineinhalb" total verkorkst ist, sondern einen Bezug auf die Realität nimmt. Anna Lane hat einen großartigen Roman geschrieben, der erschreckend ehrlich, sowie tiefgründig und voller Schmerz ist. Schön zu sehen, dass auch hier an eine Triggerwarnung gedacht wurde.

Mae hat ihren Freund verloren und daraufhin Eineinhalb mal versucht sich das Leben zu nehmen. Aus diesem Grund landet sie in einer Psychiatrie und wird dort behandelt. Darin lernt sie Sam kennen, der nicht gerade freiwillig dort arbeitet und Patienten, die nicht nur gute Absichten hegen. Ich fand die Charaktere sehr authentisch, vor allem Mae und die anderen Patienten der Klinik. Es werden viele Themen angesprochen, die keine leichte Kost sind. Deshalb ja auch am Anfang die Triggerwarnung. Schon die Atmosphäre ist drückend und verspricht viele emotionale Momente. Das Setting hatte ich genau vor Augen und auch die einzelnen Szenen konnte ich mir perfekt vorstellen. Ich habe mich in die Charaktere einfühlen können und hatte sogar Mitleid. In diesem Roman werden die Patienten mit Vorurteilen konfrontiert, was mich richtig traurig gemacht hat. Das Zitat oben sollten sich viele mal zu Herzen nehmen. Auch ich bin davon betroffen und weiß deshalb genau, wie sich psychisch kranke Menschen deswegen fühlen müssen.

Mae ist eine tolle junge Frau. Wir begleiten sie auf ihrem schweren Weg und erleben ihre Höhen und Tiefen hautnah mit. Ihre Situation wird realitätsnah beschrieben und auf jegliche Emotionen von ihr eingegangen. Ihre Handlungen waren für mich nachvollziehbar und ihre persönliche Entwicklung hat mich schwer beeindruckt! Sie ist ein Vorbild, denn Mae kämpft für ihre Gesundheit und gegen ihre inneren Dämonen. Auch sie erlebt so einige Rückschläge, lässt sich davon aber nicht klein kriegen. Mit Sam und ihrem Bruder Alex an ihrer Seite, scheint alles möglich zu sein. Ihre Gedanken haben mich tief berührt, weil ich genau wusste, wovon sie da spricht. Ihre Verzweiflung war praktisch greifbar und ging auf mich über.

Der Schreibstil ist sehr bildlich und zeigt uns die düstere Welt der Menschen. Mit Derek kommt noch einiges an Spannung und Schockmomente hinzu, die mich regelrecht verängstigt haben. Vor allem das, was zum Schluss hin passiert, jagte mir eine Gänsehaut über die Arme. Diese boshafte Seite, die man an einem Menschen nicht sofort erkennt oder erahnen würde. Wir gehen tief in die krankhafte psyche des Menschen und werden Zeuge von dem Ablauf einer Psychiatrie. Dem Leser wird ein wenig gezeigt, wie der Tagesablauf ist oder mit was für Probleme so manch einer täglich konfrontiert wird. Sehr interessant, aber auch teilweise unerträglich anzusehen/zu lesen. Dieser Schmerz, der hier verarbeitet wird, hat mich schon mitgenommen. Es ist immer hart für mich sowas zu lesen, aber ich finde solche Themen unfassbar wichtig!

Dieser Roman wird aus der Sicht von Mae und Sam erzählt. Ich habe mich mit beiden verbunden gefühlt und gerne Zeit mit ihnen verbracht. Ich war nach zwei Tagen durch mit dem Buch und bin dankbar für diese Geschichte. Sie macht Mut und ist überhaupt nicht zu übertrieben oder klischeehaft. Der Leser wird zum nachdenken angeregt und kann sich selber ein Bild von der Handlung und der Gesamtsituation machen. So viele Szenen haben mich emotional werden lassen und mir das Gefühl gegeben, dass ich nicht alleine bin.

Fazit: Ein emotionaler und knallharter Roman, der realistischer nicht sein könnte. Keine leichte Kost für zart besaitete Menschen, die eventuell Probleme mit den Themen "Suizid/Suizidversuch und Depression" haben. Nicht nur das obige Zitat, sondern auch die Widmung haben mein Herz erwärmt. So schöne und vor allem wahre Worte zu hören kommt einer heilenden Wirkung gleich. Ich habe mich auf jeden Fall in die Charaktere einfühlen können und hatte das Gefühl, dabei gewesen zu sein. Die Emotionen waren schon fast greifbar und viele Szenen haben mich zum Nachdenken angeregt. Ein großes Dankeschön an die Autorin, dass sie diesen Roman so realitätsnah rübergebracht hat und dass sie sich mit diesen Themen beschäftigt und intensiv auseinandergesetzt hat. Dafür liebe ich den SadWolf Verlag! Für solche authentische Geschichten, die mir jedes Mal den Atem rauben. Sie sind so viel echter, als es die Realität ist.

Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares!

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